Stundensatz als Freiberufler kalkulieren

Macht man sich selbstständig und arbeitet nach dem Prinzip „Geld für Zeit“ (in der IT auch oft Time and Materials genannt) rechnet man seine Dienstleistungen einfach nach einem Stundensatz ab. Die meisten Freiberufler dürften so arbeiten.

Ist man in einem größeren Projekt eingebunden, schließt man meistens einen Dienstvertrag, der zu erbringende Zeiten, Tätigkeiten und die Vergütung durch den Auftraggeber regelt. Die Kalkulationsgrundlage ist dabei im Prinzip auch immer ein Stunden- oder Tagessatz.

Mut zur Preisgestaltung beim Stundensatz

Viele die in die Selbstständigkeit starten setzen ihren Stundensatz viel zu niedrig an. Oft weil sie ihn mit Stundensätzen aus der Anstellung vergleichen. Doch diese Rechnung geht nicht auf, denn als Selbstständiger hat man einige Kosten mehr zu tragen als ein Angestellter.

5 Gründe warum Dein Stundensatz signifikant höher sein muss als der eines Angestellten

  1. Selbstständige zahlen ihre Sozialversicherungsbeiträge komplett selbst. Bei Angestellten zahlt der Arbeitgeber die Hälfte von Kranken-, Pflege-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung.
  2. Nicht jede Stunde Arbeit als Freiberufler ist abrechnbar. Als Angestellter schon, hier tickt die Uhr sobald man die Firma betritt und endet wenn man das Haus verlässt, egal was dazwischen passiert. Als Freiberufler sind meiner Erfahrung nach mit ca. 60-70% der Arbeitszeit abrechbar. Der Rest geht für Akquise, Angebote, Kommunikation, Buchhaltung, Recherche, etc. drauf. Dies muss einkalkuliert werden.
  3. Krankheits- und Urlaubszeiten sind zu berücksichtigen. Der Angestellte wird in dieser Zeit bezahlt, der Freiberufler nicht.
  4. Du hast Betriebskosten wie z. B. EDV (Notebook, Internet, Handy, Software, Drucker, etc.), Büro (Miete, Nebenkosten, Ausstattung) und Versicherungen (z. B. Berufshaftpflicht), die beim Angestellten der Arbeitgeber trägt.
  5. Zudem trägt man als Selbstständiger ein höheres Risiko hinsichtlich Auslastung, Haftung u.v.m., welches kalkulatorisch berücksichtigt werden muss.

So kalkulierst du Deinen Stundensatz

Seinen Stundensatz sollte man nicht einfach aus dem Blauen heraus festlegen, sondern kalkulieren. Quasi rückwärts. Man geht von einem gewünschten monatlichen Nettoverdienst aus, z. B. indem man sich am bisherigen Gehalt der Anstellung orientiert aus der man kommt (meist will man als Selbstständiger ja nicht weniger verdienen als in der Anstellung) oder an einem marktüblichen Einstiegsgehalt wenn man Berufsstarter ist.

Auf diesen Wert schlägt man alle geschäftlichen Betriebskosten, die zu zahlenden Sozialversicherungsbeiträge und die zu zahlende Einkommenssteuer (inkl. Solidaritätsbeitrag) auf. Dies ergibt den monatlich benötigten Bruttoumsatz (ohne Umsatzsteuer falls man umsatzsteuerpflichtig arbeitet).

Dieser Betrag ist dann durch die im Jahresdurchschnitt pro Monat abrechnbaren Stunden zu teilen. Dabei berücksichtigen wir die Punkte 1 bis 3 der oberen Liste um die tatsächlich abrechnbaren Stunden zu erhalten.

Ergibt einen Mindeststundensatz X.
Dieser Stundensatz als Mindeststundensatz zu verstehen, ab welchem man kostendeckend arbeitet und das gleiche Gehalt wie in einer Anstellung erhält.

Marktsituation und Profil beim Stundensatz berücksichtigen

Aufschlagen muss man nun einen Betrag der Punkt 5 aus der Liste (das erhöhte Risiko hinsichtlich Auslastung) und die eigene Kompetenz bzw. Positionierung ggü. anderen Freiberuflern am Markt berücksichtigt. Hier ist nur entscheidend wie gut man seine eigene Leistung ggü. anderen einschätzt, sondern vor allem auch wie das eigene Kompetenzprofil aussieht.

Gerade in der IT werden ganz unterschiedliche Stundensätze bezahlt, je nachdem welche Technologien man beherrscht, wie viel Erfahrung man hat und welche Soft Skills man mitbringt. Ein Beispiel sind in der IT SAP-Berater die gefühlt die doppelten Stundensätze haben wie klassische Java-Entwickler ohne große Schwerpunkte. In der IT zahlt sich meist eine Spezialisierung auf bestimmte nicht sehr stark besetzte (Nischen-)Kompetenzen bzw. Technologien aus.

Dazu ist es gut, ein Gefühl für marktübliche Preise zu bekommen. Dies geht über Kontakte zu Kunden, anderen Freiberufler oder Bekannte die Stundensätze von Freiberuflern im Unternehmen mitbekommen. Auch das Feedback von potentiellen Kunden bei den man sich anbietet liefert Aufschluss. Also immer eine Sache der Zeit.

Typische Stundensätze

Meiner Meinung nach kann man unter 50,- EUR / h kaum dauerhaft kostendeckend arbeiten. Die meisten Stundensätze von Freiberuflern in der IT liegen meiner Erfahrung nach zwischen 60,- und 100,- EUR, einige Spezialisten wie SAP-Berater bei bis zu 120,- EUR / h.

Stundensatz-Kalkulator

Ich habe mir dafür einen kleinen Stundensatz-Kalkulator gebaut, den Du in Form dieser Excel-Tabelle für Deine eigene Kalkulation verwenden kannst. Hier eine Beispielrechnung, darunter der Download für Excel und OpenOffice:

Download “Stundensatz-Kalkulator Freiberufler”

stundensatz_kalkulator.zip

Version: 1 – Bisherige Downloads: 473 – Dateigröße: 68 KB

Ist ein Freiberufler für ein Unternehmen teurer als ein Angestellter?

Meine Behauptung: Nein, nicht unbedingt.

Bei angenommener gleicher Qualifikation und bei oben genanntem Rechenmodell werden die Arbeitgeberbeiträge der Sozialversicherungskosten und die Betriebskosten (inkl. Miete, Nebenkosten, Reinigung, etc.) vom Arbeitgeber kalkulatorisch zum Freiberufler verlagert. Genauso werden Zeiten in denen ein Angestellter bezahlt wird, aber nicht arbeitet (Urlaub, Krankheit) auf den Freiberufler-Stundensatz umgelegt.

Ergibt summa summarum für das Unternehmen die gleichen Gesamtkosten.

Was sich das Unternehmen darüber hinaus noch sparen sind weitere Lohnnebenkosten wie Anwerbungskosten, Kosten für Weiterbildung, Sozialleistungen (wie Zuschüsse zu Betriebsrenten, Vorsorge, etc.) und Gemeinkosten wie Genossenschaftsbeiträge, Unfallversicherungen, IT-Support, Kaffee, Getränke und ähnliches.

Zudem kann ein Freiberufler nur nach Auftragslage beauftragt werden und muss nicht beschäftigt werden, wenn es keinen Bedarf gibt. Er kann beispielsweise nur für ein bestimmtes Projekt gesourced werden und muss danach nicht weiterbeschäftigt werden. Ein Arbeitnehmer dagegen hat Kündigungsschutz.

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Christoph

Christoph

Nach drei Jahren als nebenberuflicher Webberater habe ich den Schritt in die Selbstständigkeit als Freiberufler gewagt. Über meine dabei gesammelten Erfahrungen zu Bürokratie, Praxis und nützlichen Tools schreibe ich in diesem Blog.

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